Caibidil a Trí Déag: Satz und Syntax (Abairt agus Comhréir)

Syntax des Verbalnomens (Comhréir an Ainm Bhriathartha)


Infinitive Verwendung:
Verlaufsform
  intransitive Verlaufsform (ohne Objekt)
  transitive Verlaufsform (mit Objekt)
    mit nachfolgendem Substantiv-Objekt
    mit Pronomen als Objekt
    mit weiterem Verbalnomen als Objekt
    mit vorausgehendem Substantiv-Objekt
  reflexive Verlaufsform
  Verlaufsform im Relativsatz
  Verlaufsform mit go/nach-Gliedsatz
  Verlaufsform in nur-Sätzen
  Passiv-Verlaufsform
  Perfekt-Verlaufsform
  Verlaufsform von Zustandsverben
Infinitivkonstruktionen
  ohne Objekt
  mit direktem Objekt
  mit Pronomen als dir. Objekt
  mit indirektem Objekt
  mit go/nach-Gliedsatz
  Verwendung
  mit Subjekt
  Infinitivkonstruktion des Zieles
  Infinitivkonstruktion mit weiteren Präpositionen
  Infinitivkonstruktion mit agus, ach
weitere Konstruktionen
Absichtsform
Ausdrücke der Gleich- / Vor- / Nachzeitigkeit
  während
  nachdem
  bevor
  Sonstige Verwendung des Dativs des Handelnden
Verbalnomen als Attribut
weitere Sätze mit dem Verbalnomen
  mit le, mit chun
  mit gan
  mit ar, mit tar éis
  mit/nach anderen Präpositionen
Genitiv in Verbalnomen-Konstruktionen
  Genitiv nach Genitiv-Präpositionen
  Genitiv eines Substantivs nach dem Verbalnomen
  Genitiv eines Substantivs vor dem Verbalnomen
  Genitivform des Verbalnomens
 
Substantivische Verwendung:
Verwendung als gewöhnliches Substantiv

Beim irischen Verbalnomen muß man die "infinitive" Verwendung (entsprechend dem deutschen Infinitiv) und die "substantivische" Verwendung (entsprechend dem deutschen Verbalsubstantiv) unterscheiden.

Infinitive Verwendung:

Die Verlaufsform (an fhoirm leanúnach)

Die Verlaufsform beschreibt Handlungen die sich gerade im Verlauf befinden, genau wie die englischen "continuous"-Formen.
Umgangssprachlich wird die Verlaufsform Präsens auch anstelle des eigentlichen Präsens verwendet (der eigtl. Präsens tritt umgangssprachlich zumeist nur als habitueller Präsens auf, ähnlich wie im Englischen)

Die irische Verlaufsform wird mit dem Hilfsverb (= sein) und einer Präposition gebildet. Die Präposition ist zumeist ag = bei, an, in bestimmten Fällen aber auch do = zu oder a = zu. Somit ähnelt sie einer auch im umgangssprachlichen Deutschen üblichen Form ("Ich bin beim Lesen, ich bin am Lesen")

Die Präposition ag (sonst stets [eg´]) wird in normaler Sprechgeschwindigkeit in der Verwendung in der Verlaufsform anders ausgesprochen, da sie hier nur als "Verlaufsform-Partikel" verstanden wird:

Zeitform:
Das Verb kann in jeder Zeitform auftreten. So erhält man eine Verlaufsform Präsens, Präteritum, Futur etc.
Zu Besonderheiten der Bedeutung des einfachen und habituellen Präsens von bí siehe Zeitformen: Verlaufsform.

ZeitformBeispiel
PräsensTá sé ag léamh = Er liest (gerade),
habit. Präsens Bíonn sé ag léamh = Er liest (für gewöhnlich, für eine gewisse Dauer),
Präteritum Bhí sé ag léamh = Er las (zu einem best. Zeitpunkt),
Imperfekt Bhíodh sé ag léamh = Er las (für gewöhnlich, für eine gewisse Dauer),
Futur Beidh sé ag léamh = Er wird (dann gerade) lesen,
Konditional Bheadh sé ag léamh = Er würde (dann, gerade) lesen; Er hätte (dann gerade) gelesen,

Andere Verben statt bí:
Statt des Verbs (= sein), sind auch bestimmte andere Verben möglich, die die Verlaufsform einleiten:

Das Subjekt der Verlaufsform steht direkt vor ag:
z.B.: Cloiseann tú Séan ag teacht = Du hörst Seán kommen (tú = Subjekt des Verbs clois, Seán = Subjekt der Verlaufssform ag teacht)

In Ulster ist bei Verben der Bewegung im Sinne eines Zieles anstelle der Präposition ag oft adh/a dh’ vor Vokal oder a’ vor Konsonant (mit Lenition) zu hören. Dies ist eigtl. eine Form von do und wird auch als "infinitive of purpose" bezeichnet.
z.B.: Tháinig mé a dh’ól = ich kam um zu trinken.

Intransitive Verlaufsform (foirm leanúnach neamhaistreach)

Dies is die Verlaufsform ohne direktes Objekt.
 
Form von + Subjekt + ag + VN
Tá mé ag léamh = Ich lese gerade ("Bin ich bei Lesen") 

Transitive Verlaufsform (foirm leanúnach aistreach)

Dies ist die Verlaufsform mit einem direkten Objekt. Hierbei ist zu unterscheiden, ob das Objekt ein Substantiv, ein Pronomen oder ein weiteres Verbalnomen ist. Ein Substantivobjekt steht gewöhnlich hinter dem Verbalnomen im Genitiv. Wird es vom Verbalnomen getrennt, steht also davor, treten weitere Änderungen auf.

- mit einem nachfolgenden Substantiv-Objekt

Ein nachfolgendes direktes Objekt steht zumeist (s.u.) im Genitiv.
 
Form von + Subjekt + ag + VN + Genitiv-Objekt 
Tá mé ag léamh an nuachtáin = Ich lese grad die Zeitung ("Bin ich bei Lesen der Zeitung.")

z.B.:
Tá tú ag déanamh na hoibre. = Du machst die Arbeit gerade. (wörtl.:"Du bist bei Machen der Arbeit.")
Tagaim ag foghlaim Gaeilge. = Ich komme, um Irisch zu lernen. ("Ich komme bei Lernen [des] Irischen.")

- mit einem Pronomen als Objekt

Diese Form ähnelt keiner deutschen Form.

Form von + Subjekt + do + Possessivpronomen + VN
Tá tú do mo bhualadh = Du schlägst mich gerade ("Bist du zu meinem Schlagen")

Aber: Statt (do + a) steht á nicht (die sonst übliche Kombination aus do + a)
z.B.:
Tá tú do mo bhualadh = Du schlägst mich gerade.
Tá mé do do bhualadh = Ich schlage dich gerade.
Tá tú á bhualadh = Du schlägst ihn gerade.
Tá tú á bualadh = Du schlägst sie (Sing.) gerade.
Tá tú dár mbualadh = Du schlägst uns gerade.
Tá mé do bhur mbualadh = Ich schlage euch gerade.
Tá tú á mbualadh = Du schlägst sie (Plur.) gerade.

Mundartlich sind auch andere Formen möglich (nicht mit do sondern auch hier mit ag oder z.T. ohne Präposition)
In älterer Zeit wurde stets ag in der Verlaufsform Aktiv mit pronominalem Objekt verwendet, do indes in der Verlaufsform Passiv, beides ist heute vermengt, da die Formen der 3. Person sich anglichen.

Wenn sich das Possessivpronomen auf das Subjekt zurückbezieht, entsteht die Passiv-Verlaufsform.
z.B. Tá an teach á thóigeáil = Das Haus wird gerade gebaut. (wörtl.: "Ist das Haus zu-seinem Bauen")
Diese Sätze sind oft doppeldeutig und nur im Kontext zu unterscheiden:
Tá sé á dhíol = Er verkauft ihn (Aktiv, sé ungleich á) oder
Tá sé á dhíol = Er wird verkauft (Passiv, sé gleich á)

Wenn sich das Possessivpronomen auf das Subjekt zurückbezieht aber zusätzlich das Reflexivpronomen féin steht, entsteht die reflexive Verlaufsform
Tá sí á bualadh féin = Sie schlägt sich selbst gerade. (wörtl.: "Ist sie zu-ihrem Schlagen selbst")

Diese Form wird auch mit Demonstrativpronomen (seo, sin, siúd) verwendet, das dann zusätzlich zum Possessivpronomen steht.
Je nachdem, worauf sich das Demonstrativum bezieht, leniert á oder nicht, oder verlangt Eklipse.
z.B.: Tá tú á ndéanamh seo = Du tust dies (= diese Dinge: Plural, daher hier Eklipse nach á). (wörtl.: "Bist du zu-ihrem Schlagen dies")
Tá tú á dhéanamh seo = Du tust dies (dieses eine Ding: Singular masc., daher Lenition nach á)

- mit einem weiteren Verbalnomen als Objekt

Das zweite Verbalnomen steht nicht, wie vielleicht zu befürchten, im Genitiv,
(falsch wäre z.B.: *Tá mé ag iarradh fhiafraithe = *" ich bin beim Versuchen des Fragens")
Stattdessen tritt (wie im Deutschen) ein "Infinitiv mit zu" (s.u.) auf.
 
Form von + Subjekt + ag + VN + a + VN 
Tá mé ag iarraidh a fhiafraí. = Ich versuche zu fragen

- mit einem vorausgehenden Substantiv-Objekt

Zur Betonung des Objektes kann das direkte Objekt dem Satz vorausgehen. Es steht dann vor dem Verbalnomen, von diesem gelöst und daher nicht mehr im Genitiv sondern im Nominativ/Akkusativ
Statt der Präposition ag steht dann stets a (mit Lenition!).
Hierzu gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Der Rest des Satzes folgt unverändert (also nicht in Form eines Relativsatzes). Dies ist bei negativen Sätzen möglich.
 
Objekt + Form von + Subjekt + a + VN 
Pingin ní raibh mé a shaorú = Keinen Penny hab ich verdient 

2. in einem Relativsatz.(Kopula + Objekt vorausgehend als Bezugswort)
 
Is + Objekt (Bezugswort) + a + Relativform von + Subjekt + a + VN 
(Is é) an obair atá Pól a dhéanamh = Die Arbeit macht Paul.


Reflexive Verlaufsform (foirm leanúnach athfhillteach)

Eine Aussage wie "Er schlägt sich (selbst)" bildet man wie die Verlaufsform mit Pronomen als Objekt. Das Possessivpronomen ist hier aber rückbezügich auf das Subjekt. Außerdem benötigt man das reflexive Pronomen (forainm athfhillteach) féin = selbst.

Tá sé á bhualadh féin = Er schlägt sich (selbst) gerade. (wörtl.: "Ist er zu-seinem Schlagen selbst")
Tá mé do mo bhualadh féin = Ich schlage mich (selbst) gerade.
Tá siad á mbualadh féin = Sie schlagen sich (selbst) gerade.

Ohne das reflexive Pronomen wäre es ein Passiv (wenn das Possissivpronomen rückbezüglich ist) oder eine normale Verlaufsform mit pronominalen Objekt (wenn das Possessivpronomen nicht rückbezüglich ist). Vgl.:
Tá sé á bhualadh = Er wird geschlagen (rückbezügliches á) oder: Er schlägt ihn (nicht rückbezügliches á)
Tá sé á bhualadh féin = Er schlägt sich selbst (reflexiv, rückbezügl. á).
 

Verlaufsform im Relativsatz

1. direktes Objekt als Bezugswort

Statt ag steht a mit Lenition des VN.
Dies entspricht der genannten Form, wenn des Objekt vor dem Verbalnomen steht zur Betonung des Objekts, Relativsätze können jedoch auch ohne besonderen Wunsch der Betonung notwendig werden, stets ist dies der Fall z.B. in Fragesätzen.

Objekt (Bezugswort) + a + Relativform von + Subjekt + a + VN 
Is maith liom an obair atá an fear a dhéanamh. = Ich mag die Arbeit, die der Mann macht. 
Cad atá tú a dhéanamh? = Was macht du (gerade)? 

2. Subjekt oder andere Glieder als Bezugswort

In diesem Falle ändert sich die Konstruktion nicht, d.h. es bleibt ag stehen.

Subjekt (Bezugswort) + a + Relativform von + ag + VN  + Genitiv-Objekt
Nach maith an fear atá ag déanamh na hoibre? = Ist der Mann nicht gut, der die Arbeit macht? 
Cé atá ag damhsa ansin? = Wer tanzt dort? 

Verlaufsform mit einem go/nach-Gliedsatz

Innerhalb eines solchen Gliedsatzes gibt es bei der Verwendung der Verlaufsform keine Besonderheiten (go bhfuil sé ag déanamh na hoibre = daß er die Arbeit macht).
Bei der Verwendung eines go/nach-Gliedsatzes als Objekt der Verlaufsform im Hauptsatz ist aber folgendes zu beachten:
Hier tritt in Munster eine Kombination von do/ag mit dem Possessivpronomen a ( = sein) auf , also á (ag/do + a) anstelle von ag, ähnlich der Verlaufsform mit pronominalen Objekt. (á ist ein proleptisches Pronomen, das den Gliedsatz vorausnimmt)
Außerhalb Munsters wird einfach nur ag ohne ein solches Pronomen verwendet.

Munster: Form von + Subjekt + á + VN + go...
  Tá mé á rá go bhfuil tú sásta = Ich sage, daß du zufrieden bist. (wörtl.: "Bin ich zu-seinem Sagen, daß ...")
Connacht/Ulster: Form von + Subjekt + ag + VN + go...
  Tá mé ag rá go bhfuil tú sásta = Ich sage, daß du zufrieden bist. (wörtl.: "Bin ich bei Sagen, daß ...")

Verlaufsform, in "nur"-Sätzen (foirm leanúnach leathdhiúltach)

Im Irischen gibt es kein Wörtchen nur wie im Deutschen.
Stattdessen wird der Satz verneint und ach (= aber) mit demjenigen Satzteil angefügt, der gemeint ist ("nur ich", "nur die Zeitung" etc.). Daher bezeichnet man einen solchen Satz als "halbverneinten Satz" (irisch "leathdhiúltach")

Wenn hierbei das Objekt nach ach steht (also losgelöst vom Verbalnomen) verwendet man a statt ag. Das Objekt steht dann nicht im Genitiv sondern im Nominativ/Akkusativ.
 
neg. Form von + Subjekt + a + VN + ach + Objekt 
Níl mé a léamh ach an nuachtán = Ich lese nur grad die Zeitung ("Nicht-bin ich zu Lesen aber die Zeitung")

Verlaufsform Passiv (foirm leanúnach chéasta)

Diese Form sieht genauso aus wie Verlaufsform mit pronominalen Objekt,  jedoch ist hier das Possessivpronomen stets rückbezüglich auf das Subjekt.
 
Form von + Subjekt + do + Possessivpronomen + VN
Tá an teach á thóigeáil = Das Haus wird gerade gebaut ( "Ist das Haus zu seinem Bauen/Gebautwerden")

Diese Sätze sind oft doppeldeutig:
Tá sé á dhíol = Er verkauft es (Aktiv) oder Es wird verkauft (Passiv)

Ein Handelnder kann aber angefügt werden mit der Präposition ag (somit wird der Passiv eindeutig)
Tá an teach á thóigeáil agam = Das Haus wird von mir gerade gebaut.

Hier kann das Subjekt vorgezogen werden (ähnl. vorausgehendem Objekt s.o.)
Pingin ní raibh á shaorú agam = Kein Penny wurde von mir verdient.
Nach deas an teach atá á thóigeáil agam? = Ist das Haus nicht nett, das von mir gebaut wird?

Verlaufsform Perfekt (foirm leanúnach fhoirfe)

Verlaufsform Perfekt bedeutet, daß die Handlung gerade abgeschlossen wurde.
Statt tar éis auch d’éis oder i ndiaidh
 
Form von + Subjekt + tar éis + bheith + ag + VN + Genitiv-Objekt 
Tá mé tar éis bheith ag léamh an nuachtáin = Ich habe gerade die Zeitung gelesen ("Bin ich nach Sein bei Lesen der Zeitung")

Ähnlich auch die Konstruktion eines Perfektes ohne Verlaufsform (dann ohne bheith ag, das Verbalnomen bildet dann eine Infitivkonstrruktion, s. dort)

Verlaufsform von Zustandsverben

Einige Verben verwenden nicht die Form mit ag sondern stattdessen die Präposition i (= in) mit dem Possessivpronomen.
Das Possessivpronomen bezieht sich auf das Subjekt zurück.
 
Form von + Subjekt + i + Possessivpronomen + VN
Tá mé i mo chónaí i mBéal Feirste  = Ich wohne in Belfast. ("Bin ich in meinem Wohnen in Belfast")

Diese Verben beschreiben keine aktive Handlung sondern einen Zustand, in dem man sich befindet.
Dies sind folgende Verbalnomen:

Diese Form ist die übliche Verwendungsform dieser Verben.
Formen wie cónaíonn sé = er wohnt sind eher unüblich.
Tá sé ag seasamh bedeutet eher: Er stellt sich grad hin.

Bei cónaí ist (v.a. in Munster) auch folg. Form möglich: Tá cónaí orm = Ich wohne ("Ist Wohnen auf mir") statt Tá mé i mo chónaí


Infinitivkonstruktionen (frásaí ainm bhriathartha)

Neben der Verlaufsform gibt es noch viele Möglichkeiten, das Verbalnomen zu nutzen.
Im Deutschen ist dies oft ein "Infinitiv mit zu", daher hier der Begriff  "Infinitivkonstruktion" (da im Irischen nicht immer ein "zu" auftritt).
(Im Irischen gibt es keinen Infinitiv. Stattdessen steht auch hier das Verbalnomen, daher auch die etwas sperrige ir. Bezeichnung "Verbalnominalphrase")
Die Möglichkeiten der Verwendung solcher Infinitivkonstruktionen im Deutschen und Irischen unterscheidet sich etwas, z.T. würde man im Deutschen anstelle einer Infinitivkonstruktion andere Formen bevorzugen (vornehmlich Nebensätze, dies insbesondere, da irische Infinitivkonstruktionen Subjekte haben können, im Deutschen ist das nicht möglich).

Infinitivkonstruktion mit und ohne Objekt

ohne Objekt:

Diese Form entspricht dem deutschen "einfachen Infinitiv mit zu". Nur das im Irischen hier zumeist keine Präposition "zu" auftritt.
Sie tritt auf mit Verbalnomen intransitiver Verben.
Verneint wird die Infinitivkonstruktion mit gan ("ohne"). Gan leniert hier nicht.
 
positiv  VN Tá mé sásta siúl. = Ich bin bereit zu gehen
negativ  gan + VN Tá mé sásta gan siúl. = Ich bin einverstanden, nicht zu gehen

Verbalnomen der Bewegung (Kommen, Gehen, etc.) und bheith (Sein) verwenden hier jedoch gewöhnlich die Präposition a (= zu; verlangt Lenition)
z.B.: Tá mé sásta a theacht = Ich bin einverstanden zu kommen.

gan dient auch in seiner Grundbedeutung "ohne", entsprechend dem deutschen Infinitiv mit "ohne zu" (oder Nebensätzen mit "ohne daß"):
z.B.: Bhí sé ag dul abhaile gan fanacht. = Er ging nach Hause ohne zu warten.

mit direktem Objekt

Diese Form entspricht dem deutschen "erweiterten Infinitiv mit zu". Sie tritt auf mit Verbalnomen transitiver Verben.
Auch die Konstruktionsweise ist gleich wie im Deutschen:
Das Objekt steht im Nominativ/Akkusativ vor dem Verbalnomen (d.h. kein Genitiv wie bei Objekten in der Verlaufsform)
Zwischen Objekt und Verbalnomen tritt die Präposition a (= zu).
a verlangt Lenition des Verbalnomens!

positiv  Objekt + a + VN   Tá mé sásta míle a shiúil. = Ich bin bereit, eine Meile zu gehen.
negativ  gan + Objekt + a + VN   Tá mé sásta gan míle a shiúil. = Ich bin zufrieden, eine Meile nicht zu gehen.

gan kann auch hier in seiner Grundbedeutung "ohne" entsprechend dem deutschen Infinitiv mit "ohne zu" verwendet werden:
Rinne mé sin gan míle a shiúil. = Ich tat es, ohne eine Meile zu gehen.

mit einem Pronomen als direktes Objekt

Wenn ein Pronomen (Personalpronomen oder Demonstrativpronomen) Objekt ist, ändert sich nichts an der Satzform, d.h. das Pronomen tritt einfach vor die Präposition a.

positiv  Pronomen + a + VN   Tá mé sásta iad a dhíol = Ich bin einverstanden, sie zu verkaufen.
negativ  gan + Pronomen + a + VN   Tá mé sásta gan iad a dhíol = Ich bin einverstanden, sie nicht zu verkaufen.

Es kann aber (heute seltener) statt eines Personalpronomens auch das Possessivpronomen eingesetzt werden (dann ohne Präposition a)

positiv  Possessivronomen + VN   Tá mé sásta a ndíol = Ich bin einverstanden, sie (Plur.) zu verkaufen.
negativ  gan + Possessivpronomen + VN   Tá mé sásta gan a ndíol = Ich bin einverstanden, sie nicht zu verkaufen.

mit indirektem Objekt

im Gegensatz zum Deutschen steht das indirekte Objekt im Irischen stets hinter dem Verbalnomen.
Die Präposition a = zu wird nicht verwendet (es sei denn, es gibt zusätzlich ein direktes Objekt).
Indirekte Objekte sind Dativobjekte, im Irischen stets eingeleitet durch eine Präposition (im Deutschen auch Dativ ohne Präposition)

positiv  VN + Präp. + indir. Objekt   Tá áthas orm siúil le Máire = Ich bin froh, mit Máire zu gehen
negativ  gan + VN + Präp. + indir. Objekt   Tá áthas orm gan siúil le Pól = Ich bin froh, nicht mit Pól zu gehen

Natürlich können sowohl direkte wie indirekte Objekte auftreten:
Tá áthas orm an leabhar seo a thabhairt do Mháire. = Ich bin froh, Máire dies Buch zu geben.

Infinitivkonstruktion mit go-Gliedsatz

Infinitivkonstruktionen können als Objekt auch einen daß-Gliedsatz aufweisen.

a + VN + go/nach-Gliedsatz   Ba mhaith liom a fheiceáil go bhfuil tú sásta = Ich möchte sehen, daß du zufrieden bist 

Dieses a ist nicht die Präposition a (= "zu") wie oben!
Dieses a ist hier vielmehr das Possessivpronomen (3.Pers. Sing. masc.: "sein"). Es nimmt den folgenden go-Gliedsatz vorweg.
(Ba mhaith liom a fhéachaint go bhfuil tú sásta = wörtl. "Wäre gut mit mir sein Sehen, daß bist du zufrieden")
Im Deutschen entspricht es etwa dem Pronomen  "es" in: "Ich möchte es sehen, daß du zufrieden bist"

Verwendung der Infinitivkonstruktionen

Die Möglichkeit der Verwendung entspricht nur zum Teil dem deutschen "Infinitiv mit zu"
Sie tritt auf in Sätzen mit

Infinitivkonstruktion mit Subjekt

Der deutsche "Infinitiv mit zu"  kann nur ein (dir./indir.) Objekt haben.
Die Irische Form kann jedoch stattdessen bzw. zusätzlich ein Subjekt enthalten. Es kann daher auch mit Verbalnomen intransitiver Verben auftreten.
Eine wörtl. Übersetzung als "Infinitiv mit zu" ist daher nicht möglich, eher wäre in der deutschen Übersetzung ein daß-Nebensatz notwendig.
Die Verneinung erfolgt ebenfalls mit gan

Formen:
 
Subjekt + (a)* + VN  tú a fhanacht = daß du wartest ("du zu warten")
Subjekt + a + VN + Genitiv-Objekt  a mhac a fháil báis = daß sein Sohn stirbt ("sein Sohn zu bekommen Tod")
Subjekt + do + Possessivpronomen + VN   Dia dár sábháil = daß Gott uns errettet ("Gott zu unserem Retten")
Subjekt + Objekt + a + VN  a mhac bás a fháil = daß sein Sohn stirbt ("sein Sohn Tod zu bekommen")

*): In Ulster tritt im Falle eines intransitiven Gebrauchs (also nur Subjekt und Verbalnomen, ohne Objekt) keine Präposition a auf: Ba mhaith liom tú fanacht = Ich möchte, daß du wartest
Genitiv-Objekte sind (außer bei solch festen Fügungen wie fáil báis = sterben) hauptsächlich in Munster üblich.

Sonderform: Logische Subjekte mit Präpositionen

Sonderform: Auslassung von bheith

Verwendung der Infinitivkonstruktion mit Subjekt:

Infinitivkonstruktion des Zieles

Diese Form entspricht dem deutschen Infinitiv mit "um zu".
 
 le + Objekt + a + VN  le gloine a ól = um ein Glas zu trinken
 chun + Objekt + a + VN  chun gloine a ól = um ein Glas zu trinken

le setzt hierbei in Connacht und Munster ein n- vor ein vokalisch beginnendes Verbalnomen, le n-, Schreibung auch len' obwohl sonst keine Eklipse nach le auftritt.
z.B.: le n-ól, len' ól = um zu trinken).
Im Standard und in Ulster auch hier h-Vorsatz:
z.B.: le hól = um zu trinken).
Vor Objekten des Verbalnomens steht kein n-Vorsatz.
z.B.: le huisce a ól = um Wasser zu trinken
Vor dem Artikel steht leis:
z.B.: leis an uisce a ól = um das Wasser zu trinken

Ein Objekt nach chun steht meist nicht im Genitiv (s.u.)
In Ulster kann neben le auch fá choinne auftreten (chun wird hier eher nicht genutzt): fá choinne gloine a ól = um ein Glas zu trinken

Ein Personalpronomen als Objekt verbindet sich nicht mit le und chun zu Präpositionalpronomen wie leis oder chuige. Es steht unverbunden nach le und chun, gelegtl. wird dialektal nach le ein n-Vorsatz gebraucht, z.T. steht aber auch le und Pronomen ohne h- oder n-Vorsatz: le é [le:]
z.B.: le hé (le n-é, le é) a dhéanamh / chun é a dhéanamh = um es zu tun.
(Nicht nur für le und chun, sondern für alle Infinitivkonstruktionen nach Präposition).
Statt des Personalpronomens kann nach le und chun das Possessivpronomen mit dem VN stehen (le + a = lena; nach chun dann Genitiv des VN!).
z.B.: lena dhéanamh, chun a dhéanta = um es zu tun

le tritt gewöhnlich mit intransitiven Verbalnomen auf, chun mit transitiven Verbalnomen.
Táim anseo le n-ól. = Ich bin hier, um zu trinken.
Tháinig mé anseo chun gloine a ól. = Ich kam her, um ein Glas zu trinken.
Chun und le tritt in dieser Weise hauptsächlich in Munster auf, während le in Connacht und Donegal überwiegt.

Beachte: Die Formen mit dem Verb (bí + Subj. + le + VN bzw. bí + Subj. + chun + VN) stellen keine Infinitivkonstruktion dar (da eine finite Form des Verbs bí auftritt) und haben z.T. auch abweichende Bedeutungen  (siehe dort)

Nach Verben/Ausdrücken der Bewegung werden auch folgende Formen verwendet:

 ag + VN + Genitiv-Objekt  ag ól gloine = um ein Glas zu trinken.         
 do + Possessivpronomen + VN  á ól = um es zu trinken. 

Diese Formen sind von der Konstruktion her eigtl. Verlaufsformen.
z.B.:
Tagaim ag foghlaim Gaeilge = Ich komme, um Irisch zu lernen.
D’imigh mé do do bhualadh = Ich ging, um dich zu schlagen.
Tháinig mé anseo ag ól. = Ich kam her, um zu trinken.

In Ulster tritt hier (zumindest mündlich) nicht ag sondern eine spezifische Form ("a’" vor Konsonant,"adh" vor Vokal, auch "a dh’" geschrieben) auf, die Lenition verursacht (historisch eine Form von do statt ag). In englischsprachigen Grammatiken wird dies als "infinitive of purpose" bezeichnet:

vor Konsonant:  a’ + VN + Genitiv-Objekt  a’ bhaint mhónadh = um Torf zu stechen.         
vor Vokal:  a dh’ + VN + Genitiv-Objekt  a dh’ól gloine = um ein Glas zu trinken.         

z.B.:
Tigeann tú a dh’fhoghlaim Gaeilge = Du kommst, um Irisch zu lernen (Standard: Tagann tú ag foghlaim Gaeilge)
Tig sé a’cheannach báid = Er kommt, um ein Boot zu kaufen. (Standard: Tagann sé ag ceannach báid)

a (gekürzt aus do) wird auch außerhalb Ulsters in ganz Irland in der Redewendung dul a chodladh = schlafen gehen ("gehen um zu schlafen") verwendet.

Infinitivkonstruktionen mit weiteren Präpositionen

Wie im Deutschen, können auch andere Präpositionen mit Infinititivkonstruktionen auftreten.
z.B. das bereits erwähnte gan (= nicht zu, ohne zu), aber auch weitere:
in áit = anstatt zu:
z.B.: Bhí sé ag léamh in áit snas a chur ar a bhróga = Er las anstatt seine Schuhe zu putzen
= als zu:
z.B.: Is fearr liom fanacht ná míle a dhul = Ich warte lieber als eine Meile zu laufen.

Darüber hinaus treten Infinitivkonstruktionen im Irischen auch nach anderen Präpositionen mit bes. Bedeutungen auf:
tríd = indem:
z.B.: tríd amadán a chur air = indem man ihn Dummkopf nannte
ar feadh = sobald:
z.B.: ar feadh mé a bheith ann = sobald ich da bin
murach = wenn es nicht so wär
tar éis = nachdem

Beachte: Mit vielen Verben sind Präpostionen in bestimmter Bedeutung untrennbar verbunden: z.B. tabhair faoi = etwas versuchen, unternehmen.
Auf eine solche Präposition kann unmittelbar auch eine Infinitivkonstruktion folgen, ohne daß die Präposition zur Infinitivkonstruktion gehört:
z.B.: Thug mé faoi é a dhéanamh = ich versuchte, es zu tun (wörtl.: Gab ich unter, es zu tun)

Infinitivkonstruktionen mit den Konjunktionen agus, ach

Infinitivkonstruktionen treten oft nach agus (= und) und ach (= aber) auf. Siehe mehr dazu unter agus und ach
Hier haben agus und ach auch spezielle Bedeutungen im Sinne von Umstandskonjunktionen, z.T,. auch mit zeitlicher oder konditionaler Bedeutung. Eine Infinitivkonstrukttion kann hier jeweils meist durch einen go-Gliedsatz ersetzt werden.
agus: "im Falle, daß", "in Anbetracht, daß", "während" ("während", wenn mit der Verlaufsform (d.h. a bheith ag + VN), wobei "a bheith" stets ausgelassen wird)
z.B.: Agus (a bheith) ag gáire thit sé go talamh. = Während er lachte, fiel er zu Boden.
("a bheith" als Infinitivkonstruktion steht nur zur Erklärung der Bildungsweise, es entfällt immer)
ach: "vorausgesetzt, daß", "wenn", "sobald"
z.B.: Bhí sé sásta ach an rud seo a dhéanamh = Er war zufrieden, sobald diese Sache getan wurde.
       Gheobhaidh muid é ach fanacht. = Wir werden es bekommen, vorausgesetzt, daß wir warten.


Die Absichtsform (an fhoirm aidhmeach)

Form von + Subjekt + ar tí + Objekt + a + VN
Form von + Subjekt + ag dul ag + VN + Genitiv-Objekt

statt  ar tí  auch chun, ag brath oder ar hob
wenn innerhalb best. Zeitspanne, dann nur chun, ag brath, le
Die Form "bí ag dul ag" ähnelt sehr dem Englischen "be going to"

Tá sé chun carr nua a cheannach amárach = er hat vor, morgen ein Auto zu kaufen.
Tá sé ag brath an teach a cheannach = er hat vor, ein Haus zu kaufen.
Tá mé ag dul ag foghlaim Gaeilge = ich bin im Begriff, Irisch zu lernen.


Ausdrücke der Gleich- / Vor- / Nachzeitigkeit

Wichtig bei diesen Ausdrücken ist ein logisches Sujekt in Form der Kombination von do + Handelndem
Es handelt sich quasi um ein "Dativsubjekt", was etwas ungewöhnlich ist.
Dies ist jedoch auch aus anderen Sprachen, z.B. dem Lateinischen bekannt: Dativ des Handelnden, dativus auctoris (an tabharthach gníomhach).
Ein echtes, grammatisches (Nominativ-)Subjekt fehlt. (Mehr dazu siehe auch Subjektlosigkeit)
Im Gegensatz zu anderen subjektlosen Formen sind diese Ausdrücke nur als Satzäquivalente möglich.
Bei diesen Konstruktionen fungiert das Verbalnomen mehr als Ersatz des Partizips, sie sind zeitliche Adverbiale und somit im Grunde den Partizipialkonstruktionen, Gerundien und anderen Satzäquivalenten anderer Sprachen vergleichbar (z.B. dt. "Ein Glas trinkend, ...", "Gerade ausgetrunken habend, ...")

Bezüglich der Zeitform sind sie unbestimmt bzw. abhängig von der Zeitform des Hauptsatzes, vgl.:
  Rinne sé é le linn pionta beorach a ól dom. = Er tat es, als ich ein Glas Bier trank.
  Déanann sé é le linn pionta beorach a ól dom. = Er tut es, während ich ein Glas Bier trinke.
  Déanfaidh sé é le linn pionta beorach a ól dom. = Er wird es tun, während ich ein Glas Bier trinken werde.
Die Formen der Vorzeitigkeit drücken logischerweise immer eine Perfekt-Zeitform aus:
  Rinne sé é tar éis pionta beorach a ól dó. = Er tat es, nachdem er ein Glas Bier getrunken hatte.
  Déanann sé é tar éis pionta beorach a ól dó. = Er tut es, nachdem er ein Glas Bier getrunken hat.
  Déanfaidh sé é tar éis pionta beorach a ól dó. = Er wird es tun, nachdem er ein Glas Bier getrunken haben wird.

Gleichzeitigkeit der Handlung ("während, wenn, als")
 
le linn + Objekt + a + VN + do + Handelnder le linn gloine a ól dom = während ich ein Glas trinke
le linn + VN + Genitiv-Objekt + do + Handelnder le linn ól na gloine duit = während du das Glas trinkst
ag + VN + Genitiv-Objekt + do + Handelnder ag ól na gloine duit = während du das Glas trinkst
do + Possessivpronomen + VN + do + Handelnder  á ól dom = während ich es trinke

Vorzeitigkeit der Handlung ("nachdem")
 
tar éis + Objekt + a + VN + do + Handelnder tar éis gloine a ól dom = nachdem ich ein Glas getrunken habe 
tar éis + VN + Genitiv-Objekt + do + Handelnder tar éis ól gloine dom = nachdem ich ein Glas getrunken habe
ar + VN + Genitiv-Objekt + do + Handelnder ar ól gloine dom = nachdem ich ein Glas getrunken habe
ar + Possessivpronomen + VN + do + Handelnder arna ól dom = nachdem ich es getrunken habe

Nachzeitigkeit des Handlung ("bevor")
 
roimh + Objekt + a + VN + do + Handelnder   roimh gloine a ól dom = bevor ich ein Glas getrunken habe

Statt tar éis auch d’éis, i ndiaidh
Die Präposition ar ist in dieser Verwendung eher altertümlich und umgangssprachlich gänzlich durch tar éis/i ndiaidh ersetzt.
Ar bildet mit Possessivpronomen der 3. Person a hier die Form arna
ursprünglich wurde hier nicht ar sondern iar ( = nach) verwendet, iar würde eklipsieren (iar dteacht dom = nachdem ich kam) iar wurde zu ar verkürzt, nach ar dann zumeist Lenition (ar theacht dom)
Arna tritt mit dem Verbalnomen auch ohne do + Subjekt als Perfekt-Passivkonstruktion auf (siehe unten unter ar)

Neben obigen Konstruktionen der Vor-, Gleich- und Nachzeitigkeit sind weitere Konstruktionen möglich, die do + Handelnden enthalten, in ähnlicher Bedeutung einer zeitlichen Bestimmung wie die obigen, z.B. (aus Ó Dónaill):
sa chomhrá dúinn = Im Laufe unseres Gesprächs, während wir sprachen ("Im Gespräch zu-uns")
ar mo leaba dom aréir = während ich im Bett war gestern
go déanamh aithrí dóibh = bis daß sie bereuen werden

Nebenbemerkung: Sonstige Verwendung des Dativs des Handelnden

Die Kombination von do + Handelnder ist neben obigen Verwendungen auch in anderen Sätzen anzutreffen und stellt gar eine eigene Satzbildungsmöglichkeit dar. Zumindest im Altirischen wurde sie häufig benutzt. z.B.:

Dóbair dom titim = Beinahe wär ich gefallen ("Fast-geschah zu-mir Fallen")
Is as Doire dom = Ich bin aus Derry. ("Ist aus Derry zu-mir")


Verbalnomen als Attribut

Dies ist eine jener Formen, in der der Genitiv eines Verbalnomens vorkommen kann.
Das Verbalnomen als Attribut dürfte oft unserem Präsens-Partizip, wenn es attributiv verwendet wird, entsprechen. (z.B.: der eine Geschichte erzählende Mann)
Oft ist stattdessen aber auch eine Übersetzung in einem Wort (z.B.: Geschichtenerzähler) oder mit einem Nebensatz (der Mann, der eine Geschichte erzählt) sinnvoller.
Ein solches Verbalnomen-Attribut muß auch z.T. als ein "Infinitiv mit zu" übersetzt werden:
(z.B.: Tháinig mian a mbuailte ormsa. = Ein Verlangen, sie zu schlagen, erfasste mich. wörtl.: "Kam Verlangen ihres Schlagens auf-mich")

Formen:
 
Substantiv + Genitiv-Objekt + a + VN  fear scéil a insint = der eine Geschichte erzählende Mann 
Substantiv + Genitiv-VN + Genitiv-Objekt   fear inste scéil = der eine Geschichte erzählende Mann
Substantiv + Possessivpronomen + Genitiv-VN   fear a inste = der es erzählende Mann

Die ersten beiden Formen sind völlig gleichbedeutend. Zu beachten ist, daß auch in der ersten Form ein Genitiv-Objekt auftritt.
Bei pronominalem Objekt ist nur die 3. Form möglich.

weitere Beispiele:
lucht foghlamtha na Gaeilge = die Irisch-Lernenden ("Irisch lernende Leute" wörtl.: "Leute [des] Lernens des Irischen") bzw. lucht na Gaeilge a fhoghlaim (wörtl.: "Leute des Irischen zu lernen")
fear díolta na leabhar = der Buchhändler ("Mann [des] Verkaufens der Bücher")
cailín deas crúite na mbó = das nette, Kühe melkende Mädchen ("Mädchen nett [des] Melkens der Kühe")

Bezüglich der verwendeten Genitiv-Form des Verbalnomens gibt es z.T. Unterschiede (entweder substantivischer Genitiv oder Verbaladjektiv als Genitivform). Mehr dazu siehe hier


weitere Sätze mit dem Verbalnomen

Mit  verschiedenen Präpositionen ergeben sich bestimmte Wendungen. Sie sind in der Form von Infinitivkonstruktionen verschieden, da eine finite Verbform (meist des Verbs ) auftriit. Auch müssen sie z.T. in der Bedeutung von Infinitivkonstruktionen mit gleichen Präpositionen unterschieden werden (z.B. bei le, chun).
In der Form ähneln sie der Verlaufsform (bí + Präposition + Verbalnomen)
Neben diesen hier erwähnten gibt es auch weitere.

mit der Präposition le

Form von + Subjekt + le + VN   Tá an balla seo le péinteáil = Diese Wand ist zu streichen. 

Diese Satzform wird verwendet, um Zweck, Absicht, Pflicht, Notwendigkeit, Möglichkeit, Sicherheit auszudrücken.
Oft hat diese Satzform passivischen Charakter, ein Handelnder kann dann mit ag eingeführt werden
Damit entspricht dese Satzform in etwa dem Deutschen "es soll ..." bzw. "es ist zu ...".
Diese Konstruktion entspricht auch dem lateinischen Gerundivum (geireannach)

In Connacht und Munster steht auch hier ein n-Vorsatz vor vokalisch beginnenenden Verbalnomen (Schreibung auch len' statt le n-: len' ól, le n-ól)

Beispiele:

Tá obair le déanamh agam. = Ich habe Arbeit zu machen. (Pflicht)
Tá sí lena theacht  = Sie wird voraussichtlich kommen. / Sie hat vor zu kommen. (Absicht)
Cad a bheidh agat le n-ól? = Was willst du zu trinken haben? (Absicht)
Tá an balla seo le péinteáil. = Diese Wand ist zu streichen. (Notwendigkeit)
Níl le feiceáil ach an fharraige. = Nichts ist zu sehen als das Meer. (Möglichkeit)
Is dócha atá sé le theacht. = Wahrscheinlich wird er kommen. (Sicherheit)
(lena theacht ist hier le + Partikel a ("zu") + theacht, auch le theacht, wie im letzten Beispiel)

Diese Konstruktion kann auch ohne das Verb verwendet werden, dann mehr attributiv als prädikativ:
z.B.: obair le déanamh = zu erledigende Arbeit
Zu unterscheiden ist diese Konstruktion von der Infinitivkonstruktion des Zieles mit le ("um zu").
vgl. die hier besprochene Konstruktion:    obair le déanamh = zu erledigende Arbeit
       mit einer Infinitivkonstruktion mit le:   le hobair a dhéanamh = um eine Arbeit zu erledigen

mit der Präposition chun

Form von + Subjekt + chun + VN   Tá an balla seo chun péinteáil = Diese Wand ist fertig um gestrichen zu werden. 

Diese Form drückt aus, daß jemand / etwas fertig, fit, vorbereitet ist für eine Handlung.
Meist wird sie mehr übertragen, als Absichtsform (s.o.) verwendet.
Möglich ist sie aber auch passivisch, um Obiges auszudrücken.

weitere Beispiele:
Tá an fómhar chun tarlú. = Die Ernte kann eingebracht werden.
Tá Pól chun iascaigh. = Paul ist fertig zum Fischen.

Zu unterscheiden ist auch diese Konstruktion von der Infinitivkonstruktion des Zieles mit chun ("um zu").
vgl. die hier besprochene Konstruktion:       Tá an fómhar chun tarlú = Die Ernte kann eingebracht werden.
       mit einer Infinitivkonstruktion mit chun:   chun an fómhair a tharlú = um die Ernte einzubringen.

mit der Präposition gan

Form von + Subjekt + gan + VN   Tá an balla seo gan phéinteáil = Diese Wand ist nicht gestrichen. 

Diese Form drückt aus, daß etwas nicht getan ist, bzw, daß jemand etwas nicht getan hat.

weitere Beispiele:
Is fada a bhí sí gan teacht. = Lange ist sie nicht gekommen.

mit der Präposition ar

1. die echte Präposition ar

Form von + Subjekt + ar + VN   Tá an balla seo ar péinteáil = Diese Wand ist gestrichen. 

Diese Form drückt den Status nach einer Handlung aus (perfektiv, passivisch) oder eines anhaltendenden Zustandes (Präsens, passivisch).
ar leniert hier nicht.

weitere Beispiele:
Tá sé ar oscailt = Es ist geöffnet.
Tá an teanga seo ar labhairt anois = Diese Sprache wird jetzt gesprochen.
Tá an leabhar ar fáil anseo = Das Buch ist hier erhältlich.

2. die Präposition iar > ar

Zur Konstruktion mit do + Subjekt siehe oben: Vorzeitigkeit des Verbalnomens
Häufig steht ar (gekürzt aus iar) aber auch mit dem Possessivpronomen a (ar + a: arna) zum Ausdruck eines Perfekt-Passiv-Partizips
(hier dann mit ag + Handelndem, wie in Passivkonstruktionen üblich):
arna chur i n-eagar ag ... = herausgegeben von ...
arna fhoilsiú ag ... = verlegt von ...
arna chur i mbuidéil ag ... = in Flaschen abgefüllt von ...

mit den Präpositionen tar éis, i ndiaidh, d’éis

Form von + Subjekt + tar éis + Objekt + a + VN   Tá mé tar éis an balla seo a phéinteáil. = Ich habe gerade dese Wand gestrichen. 

Statt tar éis auch d’éis, i ndiaidh
Diese Form stellt eine Perfekt-Konstruktion dar.
Betont wird der unmittelbare Abschluß der Handlung.
Das Satzglied tar éis + Objekt + a + VN stellt wiederum eine Infinitivkonstruktion dar.
(wörtl. Übersetzung: "Ich bin danach, die Wand zu streichen")
Vergl. auch Perfekt-Verlaufsform

mit anderen Präpositionen

in áit:  "anstatt": in áit é a dhéanamh = anstatt es zu tun
thar:  "mehr als": Tá sé thar a bheith maith = Es ist mehr als gut
 


Genitiv in Verbalnomen-Konstruktionen

Genitiv des Verbalnomens nach Genitiv-Präpositionen

chun, ar tí, i ndiaidh, le linn u.a. Präpositionen verlangen eigtl. den Genitiv.
Jedoch in Verbalnomen-Konstruktionen gilt folgendes:

Genitiv und Lenition eines Substantivs nach dem Verbalnomen Genitiv eines Substantivs vor dem Verbalnomen Genitivform des Verbalnomens



Substantivische Verwendung

Verwendung als gewöhnliches Substantiv

Die obigen Verwendungen des Verbalnomens ersetzen (in etwa) den deutschen Infinitiv ("infinitive Verwendung")
Dort wird stets eine Handlung (gníomh) irgendwie einem Handelnden (gníomhaí) zugeordnet und/oder es tritt in Bezug zu einem Objekt (cuspóir) der Handlung.

Als gewöhnliches Substantiv kann das Verbalnomen jedoch ebenso benutzt werden ("substantivische Verwendung").
Hier tritt es dann meist ohne Bezug zu einem Handelndem und ohne ein Objekt der Handlung auf (aber Genitiv-Attribut möglich)
z.B.:
Tá (an) léamh go suimiúil = (Das) Lesen ist interessant.
Fuair mé orduithe uaidh = Ich bekam Befehle von ihm.

Das Verbalnomen hat u.a. auch die Bedeutung deutscher Substantive auf -ung, z.B.: neartú = Verstärkung
Oft hat es nicht nur eine abstrakte Bedeutung, die den Akt einer Handlung beschreibt, sondern auch gegenständliche Bedeutung, das Ergebnis der Handlung, z.B.: crochadh = Hängen/Suspension, ordú = Befehlen/Befehl

Ob es sich um die Verwendung als gewöhnliches Substantiv handelt, kann man (u.a.) an folgendem erkennen:



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