Irische Verben haben keinenInfinitiv (infinideach)!
Wo jedoch im Deutschen der Infinitiv stünde, steht im Irischen das Verbalnomen.
Das irische Verbalnomen hat große Ähnlichkeiten zum Infinitiv, zumal der deutsche Infinitiv genauso substantivisch benutzt werden kann (z.B.: malen - das Malen etc.)
Die Festlegung "kein Infinitiv sondern nur ein Verbalnomen" ist dennoch nicht willkürlich.
Ursachen hierfür sind die häufigen typischen (noch dazu oft unterschiedlichen) Substantivendungen des Verbalnomens (z.B. -acht, -íocht) im Gegensatz zur deutschen Infinitivendung -en; sowie die Tatsache, daß es in gewissen Fällen im Genitiv stehen kann sowie selbst Genitivattribute (Objekte) führen kann. Hinzu kommt, daß es häufig mit verschiedenen Präpositionen (ag, a, do, chun, le, etc.) verwendet wird (der deutsche Infinitiv eigtl. nur mit "zu").
Andererseits hat das irische Verbalnomen auch verbale Eigenschaften:
Es kann Adverbien führen, direkte (Akkusativ-) Objekte haben etc.
Zusammenfassend kann man sagen, daß der deutsche Infinitiv wie das irische Verbalnomen sowohl substantivische wie verbale Eigenschaften hat. Beide stehen irgendwo zwischen Substantiv und Verbform, das irische Verbalnomen steht den Substantiven näher, der dt. Infinitiv wird eher als Verbform angesehen.
Synonyme:
Verbalsubstantiv, Tätigkeitshauptwort,engl. verbal noun
Gelegentlich hier verwendete Abkürzung: VN
Bildung:
Die Bildung des Verbalnomens ist sehr unregelmäßig. Die angegebene "regelmäßige" Bildung ist zwar häufig. Jedoch verwenden gerade häufige Verben gern "unregelmäßige" Verbalnomen-Endungen.
Am besten man merkt sich das zugehörige Verbalnomen gleich mit dem Verb.
In den Dialekten werden z.T. auch unterschiedliche Endungen verwendet (z.B. feiscint/feiceáil = sehen)
Verben der 1. Konjugation Regelmäßige Bildung:
Verbalnomenendung -adh bzw. -eadh z.B. bris - briseadh (brechen), mol - moladh (loben) Oft wird die Verbwurzel entpalatalisiert z.B. buail - bualadh (schlagen)
Verben auf -áil: Verbalnomen
mit gleicher Endung -áil:
z.B.: péinteáil (Verb = malen) - péinteáil (Verbalnomen zu malen)
Verben auf kurzen Vokal/Konsonant + -igh: Verbalnomen
mit Endung auf -í (früher -ighe, -idhe, letzteres, da viele diese Verben früher auf -idh endeten)
z.B.: suigh - suí (früher: suidhe; sitzen), nigh - ní (waschen)
Verben auf langen Vokal (á, é, í, ó, ú) + -igh: Verbalnomen mit Endung auf -á,
-é, -í, -ó, -ú (z.B. -ó früher -óghadh, d.h. -ógh + -adh)
z.B.: dóigh - dó (brennen)
weitere typische ("unregelmäßige") Bildungen
endungslos (gleiche Form wie Verbstamm)
z.B. ól - ól (trinken)
endungslos + Entpalatalisierung des Verbstammes
z.B. coisc - cosc (verhindern), cuir - cur (legen)
Verbalnomenendung -amh z.B. déan - déanamh (machen), seas - seasamh (stehen), léigh - léamh (lesen)
weitere Verbalnomenendungen: -achtáil, -úint, -an, -int, -t, -im, -e, -áil, -ach, -acht, -achán, -áil, -aidh, etc.
Verben der 2. Konjugation Regelmäßige Bildung:
Verbalnomenendung: -ú (früher: -ughadh, also -igh > -ugh + -adh)
z.B. saothraigh - saothrú (schwer arbeiten)
endungslos (gleiche Form wie Verbstamm oder minus -igh)
z.B.: aithris - aithris (nachmachen), foghlaim - foghlaim (lernen), damhsaigh - damhsa (tanzen)
endungslos + Entpalatalisierung des Verbstammes
z.B.: ceangail - ceangal (verbinden)
weitere Verbalnomenendungen: -ach, -acht, -achtáil, -achan, -eál, -áil, -int, etc.
Verbalnomen ohne zugehöriges Verb
z.B. aus Bezeichnungen für Menschen (meist Berufe)
Verbalnomen können auch aus Bezeichnungen für Menschen (meist Berufe) gebildet werden, obwohl es kein eigtl. Verb dazu gibt. Verwendet wird dieses Verbalnomen meist in der Verlaufsform
-acht /-eacht z.B.:
feirmeoir = Bauer; Tá sé ag feirmeoireacht = Er ist als Bauer tätig. ("Ist er bei Bauer-sein")
siopadóir = Ladenbesitzer; Tá sé ag siopadóireacht = Er kauft ein. ("Ist er bei Ladenbesitzer-sein")
cabaire = Schwätzer; Tá siad ag cabaireacht = Sie schwatzen. ("Sind sie bei Schwätzer-sein")
Gaeilgeoir = Irischsprecher; Bíonn sé ag Gaeilgeoireacht ó dhubh go dubh. = Er spricht Irisch von früh bis spät. ("Ist er bei Irischsprecher-sein ...")
Die Genitivbildung des Verbalnomens:
Verbaladjektiv als Genitivform
Obwohl Verbalnomen Substantive sind, verwenden sie als Genitiv oft eine anderere Verbform, nämlich das Verbaladjektiv[1 ].
Dies tritt insbesondere dann auf,
wenn sie in "infinitiver" Verwendung auftreten, insbesondere dann, wenn sie ein Objekt führen (ein Genitiv-Objekt oder ein Possessivpronomen).
z.B.: ól (trinken): lucht ólta fuisce = Whiskey-Trinker ("Leute des Trinkens des Whiskeys") z.B.: foghlaim (lernen): lucht foghlamtha na Gaeilge = Irisch-Lernende (wörtl." Leute des Lernens des Irischen") z.B.: bualadh (schlagen): chun a mbuailte = um sie zu schlagen
zur Bildung der Partizipien mit den Vorsilben so-, do-, in- (siehe Verbaladjektiv): briseadh (brechen): sobhriste = leicht zerbrechlich
Die "regelmäßigen" Verbalnomen auf -adh und -ú (ebenso: -á, -é, -í, -ó) haben stets einen Genitiv in der Form des Verbaladjektivs (in infinitiver wie substantivischer Verwendung)
z.B: glanadh - glanta (Reinigen - des Reinigens), saothrú - saothraithe (Schwerarbeiten - des Schwerarbeitens), suí - suite (Sitzen - des Sitzens)
substantivischer Genitiv
Genitive je nach Substantiv-Deklination, bilden sie (außer Verbalnomen auf -adh und - langen Vokal), wenn sie:
in "substantivischer" Verwendung auftreten oder in "infinitiver" Verwendung, wenn sie kein Objekt führen.
z.B.: bréith (tragen): lá bréithe = Geburtstag
("Tag der Geburt") z.B.: ól (trinken): lucht óil = Trinker ("Leute des Trinkens"),
z.B.: foghlaim (lernen): lucht foghlama = Lernende ("Leute des Lernens")
Die Verben auf -áil mit Verbalnomen
auf -áil verwenden stets einen substanivischen Genitiv (-ála) und nie das Verbaladjektiv als Genitiv, auch nicht in den oben genannten Fällen.
Ebenso auch viele VN auf -áint (-ána), -úint (-úna), -cht (-chta)
substantivischer Genitiv = Verbaladjektiv
Bei Verben der 2. Konjugation auf -l,-n,-r mit Verbalnomen auf -t
ist die Form des Genitivs stets entweder:
-te (Form des Verbaladjektivs = Form des substantivischen Genitivs, 2. Deklination)
z.B.: oscailt - oscailte (öffnen) oder:
-tha (Form
des Verbaladjektivs = Form des substantivischen Genitivs, 3. Deklination)
z.B.: imirt - imeartha (spielen) In diesen Fällen stimmt (zufällig) Verbaladjektiv und
substantivischer Genitiv überein.
Pluralbildung des Verbalnomens:
Eine Pluralbildung ist nur bei substantivischem Gebrauch des Verbalnomens möglich.
Viele Verbalnomen bilden den Plural entsprechend ihrer Deklinationsgruppe.
Die "regelmäßigen" Verbalnomen auf -adh und -ú bilden den Plural folgendermaßen:
Verbalnomen auf -adh: Plural durch Anhängen eines -í an das Verbaladjektiv:
z.B.: glan (reinigen): glanadh - glanta - glantaí
Verbalnomen auf -ú (u.a. lange Vokale) Plural-Endung -uithe oder -ithe z.B.: saothraigh (hart-, er- bearbeiten):
saothrú - saothruithe (Nicht mit saothraithe zu verwechseln, dem Verbaladjektiv und Genitiv Singular des Verbalnomens)
[1 ]: Warum tritt ausgerechnet das Verbaladjektiv als Genitiv des Verbalnomens auf?:
Ein normales Substantiv im Genitiv ist zumeist ein Attribut (z.B. "Seáin" in "teach Sheáin = Seáns Haus") und wird genauso verwendet wie ein adjektivisches Attribut (z.B. "álainn" in "teach álainn = ein schönes Haus").
Der substantivische Genitiv stellt also quasi die "attributive Form" des Substantivs dar.
Das Verbaladjektiv stellt nun gewöhnlich die "attributive Form" des Verbs dar (z.B. "tógtha" in "teach tógtha = gebautes Haus ").
Wenn das Verbalnomen nun in "infinitiver" Verwendung
(also in Betonung gerade seiner verbalen Eigenschaften) als Attribut verwendet wird (also in den Genitiv gesetzt werden muß), greift man auf die bereits bestehende attributive Form des gleichen Verbs zurück (also auf das Verbaladjektiv).