Caibidil a Trí: Das Verb (An Briathar)

Erklärungen zur Konjugation


Infinitiv, Verbwurzel und Verbstamm
Zitierform des Verbs
Erste und zweite Konjugation
breiter und schlanker Stammauslaut
Lenition und Eklipse der Verben
die synthetischen und analytischen Formen
die Relativform
die abhängigen und unabhängigen Formen
die autonome Form (an saorbhriathar)
die unregelmäßigen Verben

Infinitiv, Verbwurzel und Verbstamm

Irische Verben haben keinen Infinitiv (infinideach)!
Wenn in einem deutschen Satz der Infinitiv stünde, steht im Irischen meist das Verbalnomen. Damit ist dieses sozusagen eine Art Infinitiv, zumal der deutsche Infinitiv genauso substantivisch benutzt werden kann (z.B.: malen - das Malen etc.)
Die Festlegung "kein Infinitiv sondern nur ein Verbalnomen" ist dennoch nicht willkürlich.
Ursachen hierfür sind die häufigen typischen Substantivendungen des Verbalnomens (z.B. -acht, -íocht) im Gegensatz zur deutschen Infinitivendung -en; sowie die Tatsache, daß es in gewissen Fällen im Genitiv stehen kann und selbst Genitiv-Objekte führen kann.
Das Verbalnomen wird außerdem sehr unregelmäßig (viele untersch. Endungen bzw. endungslose Formen) gebildet.
Auf das zugehörige Verb kann man daher z. T. nur schwer durch Streichen einer Endung schließen.

Die 2. Person Singular des Imperativs (z.B.: mol = lobe!, beannaigh = segne!) wird als Verbwurzel (fréamh briathartha) bezeichnet. Es eine regelmäßige, endungslose Grundform des Verbs.
Im Unterschied dazu ist der Verbstamm (stoc briathartha) diejenige Form, an die man Konjugationsendungen hängt.
Bei der  1. Konjugation sind Stamm und Wurzel zumeist identisch
(gelegentlich ist jedoch Entpalatalisierung zur Stammbildung nötig: z.B.: Verben auf -áil sabháil - sabhálann, bei Verben wie dóigh, léigh entfällt das -igh: dónn sé, léann sé)
Bei der  2. Konjugation ist es etwas komplizierter (jedoch überwiegend aus orthographischen Gründen).

Zitierform des Verbs

Die Zitierform ist jene Form, in der ein Wort losgelöst aus einem Satzzusammenhang genannt wird, insbesondere als Stichwort (Lemma) in Wörterbüchern oder Grammatikbüchern.
Im Deutschen wird ein Verb gewöhnlich im Infinitiv zitiert, z.B.: loben, segnen, bauen.
Das Irische kennt indes keinen Infinitiv, das Verbalnomen kann aufgrund seiner Unregelmäßigkeit nicht generell als Zitierform verwendet werden, da es oft keinen Rückschluß auf Verbformen zuläßt.
Anstelle dessen werden für das Irische regelmäßige Verbformen als Zitierform verwendet, aus deren Gestalt leicht auf die Konjugation des Verbs geschlossen werden kann.
Dies ist in erster Linie die Verbwurzel (2. Person Singular Imperativ), die überwiegend als Zitierform verwendet wird, z.B.: mol = lobe!, beannaigh = segne!, so auch in den meisten Wörterbüchern und diesen Grammatikseiten.
(Dies gilt auch für unregelmäßige Verben, selbst dann, wenn die Imperativform von den meisten anderen Verbformen abweicht, z.B. tar (kommen), bí (sein). Es ist bei diesen Verben jedoch ohnehin nötig, die weiteren Formen zu beschreiben.)
In manchen Wörterbüchern wird als Zitierform auch die 1. Person Singular Präsens bevorzugt, z.B.: molaim = ich lobe, beannaím = ich segne
Das Verbalnomen tritt nur bei Wortgruppen als Zitierform auf, z.B.: teach a thógáil = ein Haus bauen


1. und 2. Konjugation

Es gibt nur 2 Typen der Konjugation, die 1. und 2. Konjugation (auch Typ I und II genannt)

Der einzige wirkliche Unterschied zwischen beiden Konjugationen sind die Futur-(und Konditional-) Marker -f- (1. Konj.) und  -ó- (2. Konj.), z.B.:
1. Konjugation: molfaidh sé = er wird loben
2. Konjugation: beannóidh sé = er wird segnen

Die anderen Unterschiede zwischen beiden sind durch orthographische Regeln erklärbar:
Wichtig ist hierbei die "Endung" -igh der Verbwurzel der 2. Konjugation, die versteckt auch im Verbstamm auftaucht
(Im Prinzip auch im Futur/Konditional siehe: [ 1 ]) :
-igh zusammen mit (z.B.) der analytischen Verbendung -ann ( eigtl. 1. Konjugation) ergibt -igheann.
In alter Orthographie wurde auch -igheann geschrieben.
In neuer, reformierter Orthographie ist dies indes komplizierter:

-igh + -ann = -igheann ( statt -ighe- schreibt man -í-) also -íann (statt -ía- schreibt man aber -ío-): also -íonn

D.h. die Endung -igh ist im -í- von -íonn "wiederzufinden".
Am Beispiel:
 
beannaigh + ann = beannaigheann wird zu  beannaíann wird zu beannaíonn = beann + íonn

Verben der 2. Konjugation auf -il, -in, -ir, -is wie imir haben ihre -igh-"Endung"  nur im Verbstamm. Nicht jedoch in der Verbwurzel (imir = spiele!):
imríonn könnte (theoretisch) auch "*imrigheann" geschrieben werden, der heutige Verbstamm von imir ist also eigtl. nicht imr- sondern *imrigh-
Ihre Zugehörigkeit zur 2. Konjugation verdanken sie einer allmählichen Angleichung durch Übernahme von auf -igh basierenden Formen, zunächst durch Übernahme der Futurform (siehe Fußnote [ 1 ])

Verben der 1. Kojugation auf -igh
Auch in der 1. Konjugation kann die Wurzelendung -igh auftreten. Jedoch tritt bei diesen der Futurmarker -f- auf. Somit gehören sie eindeutig zur 1. Konjugation. Sie sind stets einsilbig.
Hierbei ist zwischen Verben mit langem Vokal und solchen mit kurzen Vokal zu unterscheiden.
Verben auf langen Vokal (dóigh, léigh) streichen in der Stammbildung (und den Konjugationsformen) das -igh (z.B. dónn sé = er brennt)
Verben auf kurzen Vokal (nigh, suigh) streichen das -igh nicht. Sie verhalten sich (aus orthographischen Gründen) fast wie ein Verb der 2. Konj. (nigheann > níonn sé = er wäscht).
Vor dem -f- steht übrigens ein langes í (i mit Akzentzeichen: nighfidh > nífidh sé = er wird waschen)
Einige diese Verben endeten der alten Rechtschreibung zu Folge auf -idh, erst in reformierter Schreibweise zu -igh geändert. (z.B.: suidh > suigh = sitzen, suidheann > suíonn sé = er setzt sich)

Zusammenfassung an Beispielen:
 
Konjugationstyp Verbwurzel Verbstamm Verb im Präsens Futur-Marker Verb im Futur
1. Konjugation, endungslos mol mol- molann -f- molfaidh
1. Konj. auf -igh (-áigh, -óigh, -úigh) dóigh dó- dónn -f- faidh
1. Konj. auf -igh (-éigh) léigh lé- léann -f- léifidh
1. Konj. auf -ígh (-ígh) maígh maí- maíonn -f- maífidh
1. Konj. auf -igh (-igh, -uigh) nigh n(igh)- níonn -f- fidh
1. Konj. auf -áil sabháil sabhál- sabhálann -f- sabhálfaidh
2. Konj. auf -igh beannaigh beann(aigh)- beannaíonn -ó- beannóidh
2. Konj. auf -ir,-il, -in imir imr(igh)- imríonn -ó- imreoidh

Der Wechsel von eo statt ó bei imreoidh geschieht aus orthographischen Gründen.
Der Futurmarker -f- wird nach m, n, r, s als [h] gesprochen (glanfaidh mé = ich werde reinigen [glanhə me:]), die stimmhaften Konsonanten b, bh, d, g, mh werden (durch das [h]) stimmlos (tuigfidh mé = ich werde verstehen [tik´ə me:]), nach den stimmlosen Konsonanten c, p, t ist das f völlig stumm (bacfaidh mé = ich werde verhindern [bakə me:]).
Lediglich die Endungen -f(e)á, -f(a)í und -f(e)ar werden zumeist mit [f] gesprochen (ghlanfá = du würdest reinigen [γlanfa:], thuigfí = man würde verstehen [higf´i:], tuigfear = man wird verstehen [tigf´ər]


breiter und schlanker Stammauslaut

Die Unterschiede zwischen Verben mit breitem und schlankem Stammauslaut sind rein orthographischer Natur, der Regel entsprechend, daß breite Konsonanten nur von breiten (dunklen) Vokalen umgeben sein dürfen bzw. schlanke (helle) Vokale von schlanken Mitlauten.
Die Aussprache vokalisch beginnender Endungen ist gleich:
z.B.: breit: glanaim [-əm´], schlank: tuigim [-əm´]
z.B.: breit glanann [-ən], schlank: tuigeann [-ən]
Bei konsonantisch beginnenden Endungen (Konsonanten -t- und -f-) kann der Konsonant breit oder schlank sein:
z.B.: breit: glantar [-tər], schlank: tuigtear [-t´ər]
z.B.: breit: glan [-få:], schlank: tuigfeá [-f´å:]


Lenition und Eklipse der Verben

Im Prinzip haben Konjugation und Lenition/Eklipse nichts miteinander zu tun.

Daß Verben im Präteritum, Imperfekt und Konditional soweit möglich leniert werden, liegt an folgendem:

Vor dem Verb stand hier einst die Vergangenheits-Verbalpartikel do, die nun einmal Lenition verlangt.
Im Standard (und den meisten Dialekten außer Munster) entfällt die Partikel do, die Lenition jedoch bleibt.
Also: thuig mé < do thuig mé = ich verstand.
Rest dieser Partikel im Standard ist das d’("d’-Vorsatz") vor Verben mit vokalischem Beginn (einschließl. fh + Vokal) in den oben genannten Zeitformen (z.B.: d’ól mé = ich trank, d’fhoghlaim mé = ich lernte).

Nach anderen Verbalpartikeln/Konjunktionen wird auch in diesen Zeitformen je nachdem entweder leniert oder ekliptiert. Das d’  entfällt dann natürlich. z.B. ar ól tú? = trankst du?
Ausnahme ist die direkte Verbalpartikel a, die zusätzlich zum d’ steht: z.B. a d’ól mé = die ich trank, ebenso die Konjunktion má z.B.: má d’ól mé = wenn ich trank.

Die autonome Form im Präteritum wird nie leniert.(Sollte hier do stehen, dann das Verb mit h-Vorsatz: do hóladh = man trank)

Im Konjunktiv werden Verben oft ekliptiert, da sie meist nach ekliptierenden Verbalpartikeln/Konjunktionen stehen.
z.B. go mbeannaítear duit = gesegnet seiest du
Nach Lenition verlangenden Verbalpartikeln (z.B. nár) wird natürlich auch im Konjunktiv leniert (z.B.: nár bheannaí sé duit = daß er dich nicht segne!).


synthetische und analytische Formen (foirmeacha táite agus scartha)

Prinzipiell muß man zwischen synthetischen und analytischen Formen der Konjugationsendungen unterscheiden.

synthetische Form (foirm tháite): "Synthese" aus Verb und Personalpronomen in einem Wort:

táite heißt verbunden.
Verb und Subjekt (Pronomen) sind in einem Wort verbunden.
Es braucht also zusätzlich kein, ja es darf kein Personalpronomen stehen* (das wäre doppelt gemoppelt)
z.B.: tuigim (tuig + mé) = ich verstehe.
Das Anhängen eines emphatischen Suffixes ist auch möglich: z.B: tuigimse (tuig + mé + se) = ich verstehe!

*: nach der 3. Pers. Plural kann ausnahmsweise ein Pronomen oder Substantiv stehen (womit diese Form also auch analytisch verwendet wird):
z.B.: tuigid siad = sie verstehen, tuigid na páistí = die Kinder verstehen
analytische Fom (foirm scartha): "allgemeine" Form, unabhängig von der Person
scartha heißt getrennt.
Verb und Subjekt sind in 2 Wörter getrennt.
Zusätzlich zu dieser  Verbform muß* also ein Subjekt (Personalpronomen oder Substantiv) stehen.
z.B.: tuigeann tú = du verstehst.; tuigeann an fear = der Mann versteht
Diese analytischen Formen sind für alle Personen gleich (tuigeann tú, tuigeann sé, tuigeann sibh,...)
Historisch waren sie auf die 3. Person Singular beschränkt, breiteten sich dann jedoch aus und werden heute in unterschiedlichem Maße in der 1., 2., 3. Person Singular und Plural verwendet.
Im direkten Relativsatz (Präsens, Futur) gibt es besondere analytische Relativformen mit s-Endung, z.B.: Cé a thuigeas sin? = Wer versteht das? An fear a thuigfeas sin = der Mann, der das verstehen wird.

*: in Kurzantworten steht kein Subjekt (An dtuigeann sibh? - Tuigeann = Versteht ihr? - Ja.)

Die Standard-Konjugation besteht sowohl aus analytischen als auch aus synthetischen Formen.
Letztere besonders in der 1. Person (Singular und Plural: tuigim = ich verstehe, tuigimid = wir verstehen)
Die auf den Seiten 1. Konjugation und 2. Konjugation dargestellten Formen sind die Standardformen.

Es gibt  in manchen Dialekten (bes. in Munster) viel häufiger synthetische Formen (siehe "traditionelle Konjugation") z.B.: thuigeas = ich verstand, thuigis = du verstandest
In nördl. Dialekten sind hingegen häufiger analytische Formen in Gebrauch.
Synthetische Formen sind dort oft in der Funktion auf Echoformen beschränkt.

Die Analytischen Formen (Übersicht)

1. Konjugation
  Indikativ Konditional Imperativ Konjunktiv
  Präsens Präsens
dir.rel.
Präteritum Imperfekt Futur Futur 
dir.rel.
Präsens Präteritum
breiter Auslaut -ann -as - -adh -faidh -fas -fadh -adh -a -adh
schlanker Auslaut -eann -eas - -eadh -fidh -feas -feadh -eadh -e -eadh

2. Konjugation
  Indikativ Konditional Imperativ Konjunktiv
  Präsens Präsens
dir.rel.
Präteritum Imperfekt Futur Futur 
dir.rel.
Präsens Präteritum
breiter Auslaut -aíonn -aíos -aigh -aíodh -óidh -ós -ódh -aíodh -aí -aíodh
schlanker Auslaut -íonn -íos -igh -íodh -eoidh -eos -eodh -íodh -íodh



Die Relativform (an fhoirm choibhneasta)

Relativformen sind analytische Verbendungen in den Zeitformen Präsens, habituelles Präsens und Futur in positiven, direkten Relativsätzen. Gemeinsam ist ihnen die s-Endung (-as/-eas bzw. -fas/-feas)

   Präsens   Futur 
 (tradition.)   (Connacht) 
1. Konjug. breiter Auslaut -as -anns -fas
schlanker Auslaut -eas -eanns -feas
2. Konjug. breiter Auslaut -aíos -aíonns -ós
schlanker Auslaut -íos -íonns -eos

Im Präsens gilt die Form -as/-eas als tradtionelle Standard-Form.
In Connacht verschmolz sie mit -ann/-eann zu -anns/-eanns.
In Ulster werden im Präsens sowohl die Formen mit -as/-eas als auch mit -anns/-eanns verwendet.

In den Dialekten von Connacht und Ulster ist die Relativform weitverbreitet.
In Munster werden keine Relativformen verwendet. Sie werden durch normale Präsens-/Futur-Verbformen ersetzt.
Im offiziellen Standard ist die Relativform nicht enthalten.
Es gibt eine Ausnahme, in der ihre Benutzung im offiz. Standard vorgeschrieben ist. Dies ist das Verb "lean = folgen" im Präsens (a leanas), z.B.: an t-alt a leanas = der Artikel, der folgt.
Weiter tritt auch im Standard stets die Form atá des Verbs bí und die Relativformen der Kopula auf.

Eingesetzt werden sie:

Auch wenn die Relativform nicht verwendet wird oder nicht verwendet werden kann, so wird doch stets die 3. Pers. Singular des Verbs verwendet (auch in anderen Zeitformen), wenn das Bezugswort Subjekt des Relativsatzes ist (wie im Deutschen).
  Is mise a scríobhann litir = ich bin’s, der einen Brief schreibt. (nicht: *is mise a scríobhaim ...!)
  Is é an fear a scríobhas/scríobhanns/scríobhann litir. = Der Mann ist’s, der einen Brief schreibt.
  Is tusa a scríobhadh litir. = Du bist’s, der gewöhnlich einen Brief schrieb.
  Is sinne a scríobhfaidh litir. = Wir sind’s, die einen Brief schreiben werden.
  Is iad a scríobhfas/scríobhfaidh litir. = Sie sind’s, die einen Brief schreiben werden.

Andere (synthetische) Verbendungen können nur auftreten, wenn das Bezugswort Objekt ist.
  litir a scríobhaim = der Brief, den ich schreibe,
  litir a scríobhaimid = der Brief, den wir schreiben,
  litir a scríobhthá = der Brief, den du gewöhnlich schriebst,
  litir a scríobhfaimid = der Brief, den wir schreiben werden, etc.
)

Unabh. von oben genannten Einschränkungen treten folgende Relativformen stets in direkten Relativsätzen auf:
Die Relativform im Präsens des unregelmäßigen Verbs = sein ist atá.
Ähnlich auch die alte Schreibung adeir, adúirt (heute a deir, a dúirt geschrieben) der Relativform des Verbs abair = sagen.
Die Relativform der Kopula ist is im Präsens bzw. ba (vor Konsonant), ab (vor Vokal und fh) im Präteritum


die abhängigen und unabhängigen Formen (na foirmeacha spléacha agus neamhspléacha)

die abhängigen Formen (na foirmeacha spleácha)
Abhängige Formen treten nach folgenden Verbalpartikeln bzw. Konjunktionen auf:
an, ní, nach, ná, go, a [indir. Relativpartikel], sula, mura, ach a, dá, cá
Alle diese Partikel lösen Eklipse aus, mit Ausnahme von (Lenition) und (weder Lenition noch Eklipse).
Im Präteritum treten Formen dieser Partikel mit -r auf (ar, níor, nár, gur, ar, sular, murar, ach ar, cár), die stets Lenition auslösen.

die unabhängigen / absoluten Formen (na foirmeacha neamhspleácha)
Absolute Formen des Verbs werden in allen anderen Fällen benutzt,
also auch nach der Verbalpartikel a [dir. Relativpartikel] und der Konjunktion (auch nach der Konjunktion mar = weil, óir = weil u.a.)

Lediglich bei 5 der unregelmäßigen Verben unterscheiden sich abhängige Formen von absoluten Formen in einigen Zeitformen deutlich (z.B. das Verb bí: bhí mé = ich war, ní raibh mé = ich war nicht)
Bei regelmäßigen Verben gibt es hingegen keine Unterschiede in der Verbform, lediglich die Verbalpartikel do tritt nur bei den absoluten Formen auf (im Präteritum, Imperfekt und Konditional; und dort meist nur vor Vokal als d’)

Beispiele (regelmäßiges Verb ól = trinken, unregelmäßiges Verb bí = sein):

absolutabhängig
ólaim = ich trinke
an fuisce a ólaim = der Whiskey, den ich trinke  
d’ól mé = ich trank
an fuisce a d’ól mé = der Whiskey, den ich trank
má d’ól mé = wenn ich trank
ólaim = ich trinke nicht
an teach a n-ólaim ann = das Haus, in dem ich trinke
níor ól mé = ich trank nicht
an teach ar ól mé ann = das Haus, in dem ich trank
n-ólfainn = wenn ich trinken würde
  
tá sé ann = er ist da
an fear atá ann = der Mann, der da ist  
(do) bhí sé ann = er war da
an fear a bhí ann = der Mann, der da war
bhí sé ann = wenn er da war
l (< fhuil) sé ann = er ist nicht da
an teach a bhfuil sé ann = das Haus, in dem er ist
raibh sé ann = er war nicht da
an teach a raibh sé ann = das Haus, in dem er war
mbeadh sé ann = wenn er da wäre

Im Klassischen Irisch unterschieden sich auch bei regelmäßigen Verben abhängige und unabhängige Formen.
So wurde im Präsens in der 3. Person unabhängig die Endung -(a)idh verwendet (dir. relativ -(e)as), als abhängige Form hingegen eine endungslose Form oder (das heute verallgemeinerte) -(e)ann.



Die autonome Form (an saorbhriathar)

Diese Form ist typisch für alle inselkeltischen Sprachen.
Bezüglich der handelnden Person ist sie völlig unbestimmt ("autonom" bzw. saor = "frei")

Lenition der autonomen Form:

Übersetzung

Ins Deutsche übersetzt man die autonome Form am besten entweder:
    -mit dem unpersönl. Pronomen "man"  (tuigtear é = man versteht ihn) oder aber
    -(weniger gut) mit einer Passivkonstruktion (tuigtear é = er wird verstanden).

Der Herkunft nach ist die autonome Form zwar ein Passiv (vgl. den verwandten latein. Passiv auf -tur: amatur = er wird geliebt). Jedoch ist die unpersönliche Übersetzung mit "man" im heutigen Irisch sinnvoller, da es auch von intransitiven Verben gebildet wird (z.B.: Tagtar = Man kommt) und selbst bei transitiven Verben kein Handelnder festgelegt werden kann!
Eine passivische Übersetzung (z.B.: Bristear é = Es wird zerbrochen) könnte die berechtigte Frage aufwerfen "Von wem wird es zerbrochen?".
Eine Form wie: "Es wird von ihm zerbrochen" ist mit der autonomen Form aber nicht möglich.

Früher (noch im Klassischen Irisch) war mittels der Präpositionen le, ó, ar die Angabe des Handelnden möglich:
z.B. "Marbhadh leis é = er wurde von ihm getötet." (Keating, 17. Jh.). Im Modernen Irisch ist dies jedoch falsch!
Rein idiomatisch ist heutiges: "Casadh cailín orm = Ich traf ein Mädchen", wörtl.: "Man drehte Mädchen auf-mir".

Die passivische Übersetzung ist auch deshalb problematisch, da Personalpronomen danach in der Objektform und nicht in der Subjektform auftreten: Glantar é. = Man reinigt ihn. (nicht: *Glantar sé). Für einen echten Passiv würde man die Subjektform jedoch erwarten (vgl. dt.: Er wird gereinigt.)

Formen der 1. Konjugation
  Indikativ Konditional Imperativ Konjunktiv
  Präsens Präteritum Imperfekt Futur Präsens Präteritum
breiter Auslaut -tar -adh -taí -far -faí -tar -tar -taí
schlanker Auslaut -tear -eadh -tí -fear -fí -tear -tear -tí

Formen der 2. Konjugation
  Indikativ Konditional Imperativ Konjunktiv
  Präsens Präteritum Imperfekt Futur Präsens Präteritum
breiter Auslaut -aítear -aíodh -aítí -ófar -ófaí -aítear -aítear -aítí
schlanker Auslaut -ítear -íodh -ítí -eofar -eofaí -ítear -ítear -ítí

Zur Aussprache der Endung -adh/-íodh siehe Aussprache und Rechtschreibung

Die unregelmäßigen Verben feic, faigh, téigh, tar, clois, bí haben Präteritumformen auf -thas (chonacthas/facthas = man sah, fuarthas = man bekam, chuathas/deachthas = man ging, thángthas = man kam, chualathas = man hörte, bhíothas/rabhthas = man war).
Diese Formen (außer fuarthas) sind leniert und unterscheiden sich diesbezüglich nicht von den sonstigen Präteritum-Verbformen.


Die unregelmäßigen Verben (na briathra neamhrialta)

Es gibt nur mehr 11 unregelmäßige Verben.
Konjugiert werden sie wie regelmäßige Verben, jedoch:

Verb verschiedene Verbstämme bes. abhängige
Formen
keine Präteritum-
Verbalpartikel
Auton. Präteritum
auf -thas
(sein) ja ja ja ja
déan (machen) ja ja ja nein
feic (sehen) ja ja ja ja
téigh  (gehen) ja ja ja ja
faigh (bekommen) ja ja ja ja
abair (sagen) ja nein ja nein
clois/cluin (hören) ja  nein nein ja
tar (kommen) ja nein nein ja
ith (essen) ja nein nein nein
tabhair (geben) ja nein nein nein
beir (tragen) ja nein nein nein

Das ist im Standard schon alles an Unregelmäßigkeit.
In den Dialekten wird es allerdings etwas unübersichtlich, da z.T. mehr Unregelmäßigkeiten auftreten (u.a. häufigere Verwendung unterschiedl. Stämme auch in anderen Zeitformen, z.T. auch beide Stämme nebeneinander ohne Unterscheidung abh. und unabh. Formen, häufigere Verwendung von -thas bzw. dialektal -as als Endung der auton. Präteritumform, z.T. auch -adh und -(th)as nebeneinander, gar mit unterschiedl. Bedeutung, z.B. in Ulster rugas air = man fing ihn aber rugadh é = er wurde geboren). Teilweise ist auch umgekehrt mehr Regelmäßigkeit zu beobachten (Beschränkung auf weniger unterschiedl. Stämme, etc.).

Die defektiven Verben sind weniger unregemäßig als in ihrer Konjugation auf wenige Formen eingeschränkt.



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© Lars Braesicke 1999 / 2000

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[ 1 ] Zur Eklärung des Futur-ó der 2.Konjugation:
Prinzip: Gebildet wurde das Futur einst durch Verlängerung des Vokals der letzten Silbe zu ó. Etymologisch entspricht es dem altirischen é-Futur, bei dem in ähnlicher Weise der Vokal gelängt wurde.
Bei Verben auf -igh wurde die Endung -igh dazu erstmal entpalatalisiert zu -ach (vergl. das gegenteilige Verfahren bei der Deklination der Substantive: bealach-bealaigh) und -a- durch -ó- ersetzt: das Ergebnis war -óch, hieran folgte die Personalendung (z.B. -aidh für die 3.Pers. Sing.), also: -óchaidh   (z.B.:ceannaigh - ceannach - ceannóch - ceannóchaidh).
Diese Form wurde in der neueren Zeit verkürzt zum heutigen -óidh (z.B. ceannóchaidh > ceannóidh).
-óchaidh ist jedoch heute noch immer in Ulster verbreitet, wenn auch [o:hi] gesprochen.
Verben auf -il, -in, -ir, -is bildeten das Futur einst nicht durch -óch- (da zunächst kein -igh vorhanden war) sondern durch Verlängerung des Vokals ihrer letzen Silbe zu -ó- bzw. -eo-, also -ir zu -eor- und -in zu -eon-, etc. (z.B. imir - imeor - imeoraidh). Die Konjugation der anderem Zeitformen erfolgte ehedem wie bei Verben der 1. Konjugation (imir - imreann). Erst später wurde auch hier die Futur-Endung -óchaidh übernommen (imir - imreochaidh > imreoidh). Hieraus wurde dann sekundär die "Stammendung" -igh destilliert und parallel auch in den anderen Zeitformen benutzt (imir - imrigheann > imríonn). Daher "fehlt" diesen Verben das -igh heute nurmehr in der Verbwurzel (imir).
In alter Rechtschreibung wurde noch konsequent imreann statt imrigheann/imríonn geschrieben, obwohl die Aussprache sich auch hier bereits an igh-Verben anglich (in Ulster aber noch immer oft imreann). Die Schreibweise "*imrigheann" trat also nie auf.
Beim Verb inis (erzählen) wird in Munster z.T. noch die Futur-/Konditionalform (i)neosaidh/(i)neosadh (statt inseoidh/inseodh) verwendet.
Die Futurform des Verbs faigh (bekommen) gheobhaidh entstammt der alten Präsensform (do-)gheibh mit Änderung des Vokals zu ó (eo).
Das Verb éirigh scheint ein normales mehrsilbiges igh-Verb zu sein, jedoch war es nach alter Rechtschreibung eher den Verben auf -il, -in, -ir zu vergleichen, da es wie diese Synkope aufwies (éirgheann sé, heute éiríonn sé, Futur: éireochaidh sé, heute éireoidh sé). Es ist daher offenbar ein Bindeglied beider Gruppen.
Verben der 1.Koniugation bilden das Futur nicht durch Verlängerung des Vokals der letzten Silbe (da sie zumeist nur einsilbig sind bzw. ihre 2. Silbe bereits lang ist). Hier wird ein anderes Prinzip gewählt durch Einfügung des Futurmarkers f: Endungen beginnen stets mit -f-: glan - glanfaidh. Es entspricht etymologisch dem altirischen b-Futur (wobei -b- auch im Altirischen zumeist -f- war). Es erscheint somit verwandt dem latein. Futur mit -b-: amabat = er wird lieben.
Die dritte altirische Methode der Futurbildung, das s-Futur, ist nur im unregelmäßigen Verb ith = essen erhalten (heute zusätzlich zum -s- auch -f- geschrieben): íosfaidh mé = ich werde essen.

[ 2 ] Zur Eklärung der unregelmäßigen Verben:
Die Unregelmäßigkeit beruht z.T. darauf, daß dies einst zusammengesetzte Verben, aus dem eigentlichen Verb und davorgesetzten Präpositionen, und somit mehrsilbig waren.
Durch unterschiedliche Betonung, entweder auf der ersten Silbe (prototonisch: die heutigen abhängigen Formen) bzw. auf der zweiten Silbe (deuterotonisch: die unabhängigen Formen) entstanden die "unterschiedlichen" Stämme.
z.B.déan = machen: unabh. Form Präsens : do-ghním (Betonung auf ghním, z.T. noch so im Gebrauch), abhängige Form déanaim (Betonung auf dé als Form der Präposition do, ghním unbetont zu -naim). Die Präteritumform do rinne entstand als deuteroton. Form aus *do-ro-gni (zusätzl. zur Präsensform die Partikel ro, Betonung auf ro als 2. Silbe), die prototonische Form déarna durch Betonung derselben Urform auf der 1. Silbe do.
z.B. abair = sagen: prototonisch abair und deuterotonisch deir entstanden aus altirisch as-beir > at-beir ("herausbringen"), bei deir ging die unbetonte erste Silbe nahezu unter (das t von at- ist noch im d erhalten, früher auch adeir geschrieben). Die Präteritumform dúirt, früher adúirt geht auf adrubairt (ad + ro + beir) zurück, enthält also bereits die Partikel ro, daher keine r-Formen der Verbalpatikel nötig.