Bindungungssätze dienen dazu, Bedingungen und die Folgen dieser zu beschreiben ("wenn ..., dann ...").
Ein Bedingungsgefüge besteht für gewöhnlich:
aus dem bedingenden Teilsatz, der die Bedingung enthält (Protasis, céadbheart)
Dieser Teilsatz wird durch má, dá oder mura(r) (deutsch: "wenn (nicht) ...") eingeleitet.
dem bedingten Teilsatz, der die Folge der Bedingung beschreibt (Apodosis, iarbheart).
Eine einleitende Konjunktion (deutsch: "dann ...") fehlt hier.
Die Reihenfolge beider Teilsätze ist im Irischen (wie im Deutschen) willkürlich.
Im Irischen werden zwei Formen der Bedingungssätze unterschieden, reale und irreale:
Der reale Bedingungssatz (an clásal coinníollach oscailte)
Verwendung: Der reale Bedingungssatz wird verwendet, wenn:
die Bedingung erfüllt ist / wurde / wird
die Bedingung erfüllbar ist
die Bedingung wahrscheinlich oder sicher ist, erfüllt zu werden.
Der bedingte Teilsatz (Apodosis) steht entweder im:
Indikativ, Imperativ oder Konjunktiv Präsens, seltener auch im Konditional.
Um eine besondere Sicherheit des Eintreffens der Handlung auszudrücken, kann ein Perfekt mit dem Verbaladjektiv und dem Indikativ des Verbs bí verwendet werden.
Der bedingende Teilsatz (Protasis) wird durch má, mura(r) eingeleitet und steht im:
Indikativ (außer Futur!).
nach má steht nie Futur, sondern statt dessen habituelles Präsens [1 ]
Positive Satzform: (Wenn...)
Präsens u.a.:
Má
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Má fheiceann tú an fear = Wenn du den Mann siehst
Präteritun:
Má
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Má d’ól tú fuisce = Wenn du Whiskey getrunken hast
Má verlangt Lenition. Es steht die unabhänige Verbform, d.h. auch im Präteritum d’-Vorsatz.
Negative Satzform: (Wenn nicht...)
Präsens u.a.:
Mura
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Mura bhfeiceann tú an fear = Wenn du den Mann nicht siehst
Präteritum.:
Murar
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Murar ól tú fuisce = Wenn du nicht Whiskey getrunken hast
mura verlangt Eklipse sowie die abhängige Verbform.
murar verlangt Lenition
Nach mura kann hier auch Konjunktiv-Präsens (im futur. Sinn) stehen.
regional auch: mara, marar oder muna, munar
Die irrealen Bedingungssätze verwenden die gleiche Konjunktion (mura), jedoch danach entweder Konjunktiv-Präteritum oder Konditional und nicht den Indikativ.
Murar tritt nur in realen Bedingungssätzen auf.
Verwendung: Der irreale Bedingungssatz wird verwendet, wenn:
es sicher ist, daß die Bedingung nicht erfüllt wurde / wird
die Bedingung objektiv nicht erfüllbar ist
subjektive Zweifel an der Erfüllbarkeit bestehen.
in indirekter Rede wird der reale Konditionalsatz (wenn im Futur) in einen irrealen Konditionalsatz umgewandelt.
Der bedingte Teilsatz (Apodosis) steht im:
Konditional (nahezu ausschließlich)
Indikativ Präteritum (selten)
Verwendet, um besonders lebhaft die Sicherheit des Ereignisses zu betonen, würde denn die Bedingung eintreffen.
z. B.: D'imigh an diabhal orthu dá dtiocfaidís anseo. = Der Teufel wird sie holen, wenn sie hierher kämen. (d.h. Sie sind bereits des Teufels, wenn sie ...)
Der bedingende Teilsatz (Protasis) wird durch dá, mura eingeleitet und steht entweder im:
Konjunktiv-Präteritum oder
Konditional
Positive Satzform: ("wenn/falls...")
Konditional
Dá
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Dá bhfeicfeá an fear = wenn du den Mann sehen würdest
Konjunktiv-Präteritum
Dá
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Dá bhfeicteá an fear = wenn du den Mann sähest
Dá verlangt Eklipse sowie die abhängige Verbform.
Das Konjunktiv-Präteritum ist in der Form identisch mit dem Imperfekt.
Dá-Sätze mit Konjunktiv-Präteritum (eher veraltet) und Konditional sind gleichbedeutend
Irreale Bedingungssätze sind von der Zeitform her indifferent ("Wenn du den Mann sehen würdest / gesehen hättest")
regional (Connacht) statt dá auch: dhá
Negative Satzform: ("wenn/falls nicht ...")
Konditional
Mura
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Mura bhfeicfeá an fear = Wenn du den Mann nicht sehen würdest
Konjunktiv-Präteritum
Mura
+ Verb
+ Subjekt
+ Objekt
Mura bheicteá an fear = Wenn du den Mann nicht sähest,
mura verlangt Eklipse.
mura mit Konjunktiv ist im allgemeinen veraltet, war wohl aber die ursprüngliche Bildung
anstelle des Konjunktiv-Präteritum kann Konditional genommen werden (die heute wohl üblichste Form)
regional statt mura auch: mara, muna
Die realen Bedingungssätze verwenden die gleiche Konjunktion (mura), jedoch danach nicht Konjunktiv/Konditional sondern den Indikativ (Präsens etc.) oder murar mit Indikativ-Präteritum.
Stehen mehrere Bedingungen (real oder irreal) hintereinander, so gilt:
nur die erste Bedingung enhält má, dá, mura mit einer finiten Verbform (siehe oben)
weitere Bedingungen werden durch agus verbunden und stehen als Infinitivkonstruktion mit dem Verbalnomen
z.B.: Ní chreidfinn an scéal sin mura bhfeicfinn an fear agus é a chloisteáil = Ich würde die Geschichte nicht glauben, wenn ich den Mann nicht gesehen und ihn nicht gehört hätte
[1 ]
Nach má steht nie Futur, sondern stattdesen (habituelles) Präsens, nach mura kann jedoch Futur stehen, wenn etwas Zukünftiges zum Ausdruck gebracht werden soll.
Es kann nach mura aber auch Konjunktiv Präsens verwendet werden, um Zukünftiges zum Ausdruck zu bringen, vgl.:
- má théann sé amárach = wenn er morgen gehen wird - mura rachaidh sé amárach = wenn er morgen nicht gehen wird - mura dté sé amárach = wenn er morgen nicht gehen wird